InnoWave Demo buchen

Google Fonts: Warum die Abmahnwelle 2022 jeden treffen konnte

3 Min. Lesezeitvon Julia Neumann

Kurz gesagt

Lädt deine Website Google Fonts direkt von Google-Servern, wird die IP-Adresse jedes Besuchers an Google übertragen, oft ohne Einwilligung. Das Landgericht München I hat das 2022 als Rechtsverletzung gewertet. Danach verschickten Abmahner massenhaft Schreiben. Die Lösung: Schriften lokal auf dem eigenen Server einbinden.

Illustration zum Artikel: Google Fonts: Warum die Abmahnwelle 2022 jeden treffen konnte

Was ist bei Google Fonts eigentlich das Problem?

Google Fonts sind kostenlose Schriftarten, die viele Themes, Baukästen und Plugins automatisch einbinden. Technisch gibt es zwei Wege: Die Schriftdateien liegen auf deinem eigenen Server, oder der Browser deiner Besucher lädt sie bei jedem Seitenaufruf von fonts.googleapis.com und fonts.gstatic.com.

Beim zweiten Weg baut der Browser eine Verbindung zu Google auf. Dabei wird zwangsläufig die IP-Adresse des Besuchers an Google übertragen. Die IP-Adresse gilt als personenbezogenes Datum. Für diese Übertragung braucht es eine Rechtsgrundlage, und die fehlt in der Regel, solange der Besucher nicht eingewilligt hat.

Was hat das Landgericht München 2022 entschieden?

Mit Urteil vom 20.01.2022 (Az. 3 O 17493/20) hat das Landgericht München I entschieden: Die Weitergabe der IP-Adresse an Google durch dynamisch eingebundene Google Fonts ohne Einwilligung verletzt das allgemeine Persönlichkeitsrecht. Der Websitebetreiber musste die Einbindung unterlassen und dem Kläger 100 € Schadensersatz zahlen.

Das Gericht hat auch betont, dass Google Fonts sich ohne Verbindung zu Google nutzen lassen. Ein berechtigtes Interesse an der dynamischen Einbindung gab es deshalb nicht.

Warum traf die Abmahnwelle so viele Betriebe?

Nach dem Urteil verschickten einzelne Kanzleien und Privatpersonen ab Sommer 2022 tausende Schreiben an Websitebetreiber. Gefordert wurde meist ein dreistelliger Betrag, häufig um die 170 €. Getroffen hat es vor allem kleine Betriebe, Praxen und Vereine. Der Grund war einfach:

  • Die Einbindung ist von außen nicht sichtbar. Die Website sieht genauso aus wie immer.
  • Sie steckt oft in Themes, Page-Buildern, Karten oder Formular-Plugins, die niemand bewusst eingerichtet hat.
  • Sie lässt sich automatisiert finden. Ein Programm kann tausende Websites in kurzer Zeit prüfen.

Der Landesbeauftragte für den Datenschutz Niedersachsen hat damals ausdrücklich empfohlen, Google Fonts lokal einzubinden, um solche Abmahnungen zu vermeiden. Ende 2022 ermittelte die Staatsanwaltschaft Berlin gegen einen Anwalt und seinen Mandanten wegen solcher Massenschreiben. An der technischen Ursache ändert das nichts: Wer Schriften extern lädt, bleibt angreifbar.

Wie prüfe ich, ob meine Website Google Fonts extern lädt?

Du brauchst dafür nur deinen Browser. So gehst du vor:

  1. Öffne deine Website in einem privaten Fenster und klicke im Cookie-Banner noch nichts an.
  2. Drücke F12 und öffne den Reiter Netzwerk. Lade die Seite neu.
  3. Gib im Filterfeld fonts.g ein. Erscheinen Einträge von fonts.googleapis.com oder fonts.gstatic.com, werden Schriften extern geladen.
  4. Wiederhole das auf Unterseiten mit Karte, Formular oder Video. Dort kommen oft weitere Einbindungen dazu.

Eine Prüfung der Startseite allein reicht nicht. Viele Einbindungen hängen an einzelnen Unterseiten oder Plugins.

Wie behebe ich das Problem?

Die saubere Lösung ist, die Schriftdateien auf dem eigenen Server abzulegen und von dort zu laden. Dann fließt beim Seitenaufruf nichts an Google.

  • WordPress: Viele Themes haben eine Option für lokale Schriften. Alternativ übernimmt ein Plugin das Herunterladen und Einbinden.
  • Baukästen: Prüfe in den Einstellungen, ob Schriften lokal ausgeliefert werden. Nicht jeder Anbieter macht das automatisch.
  • Danach erneut messen: Plugins für Karten, reCAPTCHA oder Video laden Google-Dienste oft separat. Erst die Netzwerk-Ansicht zeigt, ob wirklich nichts mehr nach außen geht.

Häufige Fragen

Ist jede Nutzung von Google Fonts verboten?

Nein. Problematisch ist das dynamische Nachladen von Google-Servern ohne Einwilligung. Lokal auf dem eigenen Server eingebundene Google Fonts übertragen beim Seitenaufruf keine Daten an Google.

Muss ich auf eine Google-Fonts-Abmahnung zahlen?

Das hängt vom Einzelfall ab. Lass das Schreiben von einem Anwalt prüfen, bevor du zahlst oder eine Erklärung unterschreibst. Unabhängig davon solltest du die externe Einbindung sofort entfernen.

Reicht ein Cookie-Banner, um Google Fonts zu erlauben?

Nur wenn die Schriften wirklich erst nach der Einwilligung geladen werden. In der Praxis laden die meisten Seiten die Schriften sofort. Die lokale Einbindung ist deshalb die einfachere und sicherere Lösung.

Fazit

Google Fonts sind kein Problem, solange sie von deinem eigenen Server kommen. Gefährlich ist die unsichtbare externe Einbindung über Themes und Plugins. Ein Blick in die Netzwerk-Ansicht zeigt dir in wenigen Minuten, ob deine Website betroffen ist.

Quellen

Julia Neumann

Autorin / Autor

Julia Neumann

Projektleitung & DSGVO-Checks

Julia leitet bei InnoWave die DSGVO-Checks. Sie zeichnet auf, was Websites vor und nach der Zustimmung senden, und erklärt Befunde so, dass Inhaber sie ohne Technikwissen verstehen.

Weitere Artikel

Alle Artikel im Ratgeber →

Sieh, was deine Website trotz „Ablehnen“ sendet

DSGVO-Check für 99 €

Kein Befund? Keine Kosten. Ergebnis in einem Werktag, persönlich erklärt.

Website prüfen lassen
DSGVO-Check für 99 €Kein Befund? Keine Kosten.
00T 00:00:00
Jetzt prüfen